Neue Rahmen. Was Worte bewirken.
“Frames are mental structures that shape the way we see the world. As a result, they shape the goals we seek, the plans we make, the way we act, and what counts as a good or bad outcome of our actions.” George Lakoff, Kognitionswissenschaftler und Linguist (2014, Don’t think of an elephant.)
Sprache ist nie neutral. Sie formt, wie wir denken, fühlen und handeln. Und sie entscheidet darüber, ob Menschen sich öffnen oder zumachen.
In der Nachhaltigkeitskommunikation spielt das eine besondere Rolle. Denn hier geht es nicht nur um Information, sondern um Zukunftsgestaltung:
darum, Menschen mitzunehmen, Orientierung zu geben und Motivation zu schaffen.
Was Framing bedeutet
Framing beschreibt, welchen Deutungsrahmen wir setzen, wenn wir über ein Thema sprechen. Ob wir von „Kosten“ oder „Investitionen“ sprechen, von „Verzicht“ oder „Gewinn“ verändert, wie wir Inhalte wahrnehmen.
Wir alle denken in solchen Rahmen. Sie helfen uns, Komplexität zu ordnen. Doch sie können auch einschränken. Besonders, wenn Erzählmuster weitergetragen werden, die Veränderung erschweren.
Warum das für Nachhaltigkeit entscheidend ist.
Die Herausforderungen unserer Zeit verlangen, dass Menschen mitgehen und mitgestalten. Dafür braucht es Motivation, keine Erschöpfung. Wenn Nachhaltigkeit als moralische Pflicht, als Verzicht oder Verlust erzählt wird, löst das Abwehr aus. Wenn sie als Gestaltung, Gewinn oder positives Zukunftsbild erzählt wird, entsteht Energie.
Fakten allein verändern wenig. Erst wenn sie in eine motivierende Erzählung eingebettet sind, werden sie wirksam
Hin zu neuen Rahmen
Ein neuer Rahmen kann alles verändern.
Hier einige Beispiele, wie sich Perspektiven verschieben können:
„Wachstum = Fortschritt“ hin zu „Regeneration sichert Zukunft“
„Natur = Ressource“ hin zu „Wir sind Teil der Natur“
„Mehr ist besser“ hin zu „Genug ist Gewinn“
„Die Welt wird immer schlimmer“ hin zu „Zukunft ist gestaltbar“
Solche neuen Erzählmuster verändern, wie Veränderung empfunden wird. Von etwas, das einschränkt, zu etwas, das Sinn stiftet.
Neue Rahmen in der Praxis anwenden
Framing ist eine bewusste Entscheidung darüber, welchen Zugang wir eröffnen. Manche dieser Verschiebungen betreffen einzelne Begriffe, andere ganze Weltbilder.
Drei Fragen helfen dabei:
- Welche Worte und Bilder verwenden wir?
Welche Emotionen lösen sie aus? - Welche Haltung transportieren sie?
Aktivieren sie Schuld oder Selbstwirksamkeit? - Wie können wir neu erzählen?
Welche Formulierungen öffnen Perspektiven, statt sie zu schließen?
Warum das kein Schönreden ist
Die Perspektive zu ändern bedeutet nicht, Probleme zu beschönigen.
Es bedeutet, sie vollständiger zu erzählen – auch mit Blick auf das, was möglich ist.
Zwischen Anspruch und Realität liegt die Zone, in der Kommunikation wirkt.
Dort entsteht Verbindung.
Und genau dort beginnt Veränderung.
Neue Rahmen. Eine Blogartikel-Reihe
Mit der Reihe „Neue Rahmen“ möchte ich zeigen, wie Sprache Wandel möglich machen kann und wie Organisationen durch bewusste Kommunikation Haltung zeigen können.
Jeder Beitrag beleuchtet ein typisches Erzählmuster, das neu erzählt werden kann. Denn Nachhaltigkeit braucht keine neuen Fakten. Sie braucht neue Geschichten.
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